Marc Clémeur
Generalintendant
Marc Clémeur wurde in Antwerpen (Belgien) geboren; während seiner Gymnasialzeit nahm er Unterricht am Königlichen Konservatorium in seiner Heimatstadt. Anschließend studierte er in Köln Theater- und Musikwissenschaft. Nach seiner Dissertation über die französische Urfassung von Verdis Don Carlos wurde er Regieassistent von Goetz Friedrich an der Nederlandse Opera in Amsterdam; auch in Bayreuth und an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf war er tätig.
Ab 1977 arbeitete Marc Clémeur als Produzent im Bereich klassische Musik beim belgischen Rundfunk und Fernsehen, wo er insbesondere für Opern-Direktübertragungen aus dem Brüsseler Monnaie-Theater verantwortlich war. Ab 1984 leitete er die Königliche Philharmonie Flandern. 1989 wurde Clémeur zum Intendanten der Vlaamse Opera berufen, die unter seiner Leitung einen internationalen Ruf erlangte. Ihre Produktionen waren bereits in Paris, London, Hamburg, Barcelona, Los Angeles und Tokio zu sehen. Die Zeitschrift Opernwelt verlieh ihr mehrfach den Titel „Bestes Opernhaus des Jahres". Künstler wie Robert Carsen und Silvio Varviso (denen wir insbesondere einen hervorragenden Puccini-Zyklus verdanken) stehen dort regelmäßig auf der Bühne. 2006 wurde die Produktion von Katja Kabanowa an die Mailänder Scala eingeladen und in Italien als „bestes Bühnenstück des Jahres" ausgezeichnet.
Erwähnenswert sind ferner eine „Fellini-Trilogie" (mit Bruno Madernas Satyricon, Prova d'orchestra von Giorgio Battistelli und der Welturaufführung eines Werkes nach La Strada) sowie eine Ring-Tetralogie.
Seit 2009 ist Marc Clémeur Intendant der Opéra national du Rhin. Seit zwei Spielzeiten verwirklicht er dort ein bemerkenswertes künstlerisches Projekt, das eine umfassende Behandlung des Repertoires zum Ziel hat, vom Barock bis zur modernen Musik, mit besonderem Augenmerk auf zeitgenössische Künstler (wie Giorgio Battistelli, Peter Eötvös oder Philippe Manoury). Unter anderem gibt es einen Janáček-Zyklus unter der Regie von Robert Carsen (mit Jenůfa in der letzten Spielzeit, Die Sache Makropulos in dieser Saison und Katja Kabanowa in der nächsten) sowie selten gespielte französische Opern, wie Louise von Charpentier, Platée von Rameau unter der musikalischen Leitung von Christophe Rousset im Jahr 2010 (die Produktion wurde auf ARTE und dem Musiksender Mezzo übertragen) oder Hamlet von Ambroise Thomas (Juni 2011).
In der Presse wird die Arbeit der Opéra national du Rhin gelobt: Der französische Kritikerverband (Syndicat Professionnel de la Critique Théâtre Musique Danse) verlieh den Produktionen von Platée und Aladin et la Lampe merveilleuse den Preis für die „Kreation des besten Bühnenelements", und im Jahrbuch 2010 von Opernwelt werden Produktionen und Künstler der Opéra national du Rhin nicht weniger als 14 mal genannt.
Marc Clémeur liegt weiterhin die Arbeit für das junge Publikum sehr am Herzen, insbesondere in Form spezifischer Produktionen für Kinder und Jugendliche. 28% der Zuschauer der Opéra national du Rhin sind jünger als 26 Jahre. Marc Clémeur bestärkt das in Colmar angesiedelte Opernstudio in seiner Rolle als Zentrum für die Produktion von Kinderopern. Der Erfolg von Aladin ou la lampe merveilleuse von Nino Rota in der vergangenen Spielzeit, mit 17 Aufführungen, hat Marc Clémeur veranlasst, die Aktionen für das junge Publikum noch weiter auszubauen: In dieser Spielzeit wird es insgesamt 27 Vorstellungen von Ali Baba oder Die vierzig Räuber nach Cherubini geben. Das Stück wird zunächst im Elsass gezeigt und anschließend auch im Pariser Athénée-Théâtre Louis-Jouvet.
Ferner möchte Marc Clémeur verstärkt grenzüberschreitend arbeiten: Dank der strategischen Lage des Elsass im Herzen Europas, der zweisprachigen Übertitelung aller Opernproduktionen und gezielter Werbemaßnahmen an die Adresse des deutschsprachigen Publikums ist es ihm gelungen, vermehrt Zuschauer aus Deutschland und der Schweiz anzusprechen. Auch die Zahl der Abonnenten des ONR ist in den letzten beiden Spielzeiten deutlich gestiegen. Das Publikum der „Opéra d'Europe" wird immer größer und immer internationaler!


